Handy-TV-Anbieter Mobile 3.0 am Abgrund

Ursache soll Blockade der Telefonkonzerne und Netzbetreiber sein

Das Handy-TV-Konsortium Mobile 3.0 soll einem Bericht des Handelsblatts zufolge den Betrieb demnächst einstellen. Das Gemeinschaftsunternehmen, hinter dem verschiedene Verlage und einzelne Investoren stehen, sei an einer Verweigerungshaltung der Telefonkonzerne und Netzbetreiber gescheitert, die keine DVB-H-Geräte ins Angebot genommen hätten, erfuhr das Blatt aus unternehmensnahen Kreisen.

Am 1. Juni 2008 hatte der Plattformbetreiber Mobile 3.0 nach zahlreichen Verzögerungen und Problemen mit den Landesmedienanstalten den Testbetrieb für das DVB-H-basierte Handy-TV in Hamburg, München, Frankfurt und Hannover aufgenommen. Nun steht die Firma offenbar vor dem Aus. „Kein Kommentar“, erklärte die Mobile 3.0 GmbH auf Nachfrage von Golem.de. Dementieren wollte die Sprecherin den Bericht aber auch nicht.

Mobile 3.0 ist ein Joint Venture von Mobiles Fernsehen Deutschland (MFD) und Neva Media. Das Gemeinschaftsunternehmen wird getragen von den Medienunternehmen Hubert Burda Media und der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, die an Neva beteiligt sind, sowie von dem südafrikanischen Medienunternehmen Naspers, der größter MFD-Gesellschafter ist. Einzelinvestoren sind Pixelpark-Gründer Paulus Neef und der Düsseldorfer Anwalt Horst Piepenburg. MFD hält laut eigenen Angaben 55 Prozent an Mobile 3.0 und musste Ende April 2008 bereits die Lizenz für Handy-TV im DMB-Sendenetz zurückgeben. Damit war das 2006 begonnene DMB-Pilotprojekt für mobiles Fernsehen in Deutschland gestorben.

Handy-TV mit DVB-H wird zudem durch Mobiltelefone wie das LG-Handy HB 620 T herausgefordert. Das Handy erlaubt den Empfang des kostenlosen digitalen Antennenfernsehens und Hörfunks über DVB-T. Den „Überallfernsehen“ genannten Standard kennen die Konsumenten von stationären DVB-T-Receivern aus ihrem Wohnzimmer. Mobile 3.0 hatte bislang erklärt, dass DVB-H gegenüber DVB-T einen stabileren Empfang biete, weniger energiehungrig sei und mittels Rückkanal den direkten Dialog zwischen Sendeanstalten und Zuschauern ermögliche.

Quelle: www.golem.de

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