Spielebranche setzt auf die „Generation Gameboy“

Mit „Pong“ kreierte Atari den ersten Welterfolg der Videospielbranche. Die rudimentäre Tischtennissimulation flimmerte erstmals 1972 über die Bildschirme und begeisterte die Massen. Die heutigen Nachfolger sind mit den ersten Schritten der digitalen Unterhaltung nur schwer zu vergleichen. Doch nach fast vierzig Jahren Entwicklung scheint die Spielebranche derzeit in einer kreativen Schaffenskrise zu stecken. So erwarten die Besucher der heute, Donnerstag, in Leipzig startenden Games Convention zwar viele bunte Neuigkeiten, aber nichts wirklich Neues. Weder bei der Hardware– die jüngsten Konsolen sind bereits seit zwei Jahren auf dem Markt– noch bei den Spielen gibt es Überraschungen. Hier beschränkt man sich vorwiegend auf Fortsetzungen bekannter Kassenschlager wie „Diablo“ oder „Fifa“.

Stattdessen bemüht sich die Messe wieder einmal, einen Schritt weg von den Kernschicht junger, männlicher Spieler zu machen und verstärkt „Gelegenheitsspieler“ anzulocken. Kamen zur ersten Videospielmesse vor sieben Jahren nur 80.000 Besucher, erwarten die Organisatoren bis Sonntag über 200.000 Spielefans.

Generation Gameboy erwachsen

Für manche Unternehmen, wie Nintendo, ist das aber nicht genug. „Zu wenig Gelegenheitsspieler“, ließ der Konzern wissen und kam gleich gar nicht zur heurigen Messe. Seit einiger Zeit versuchen die Entwickler vermehrt, familientaugliche Spiele wie etwa „Guitar Heroes“ auf den Markt zu bringen. Haben Kleinkind und Opa gleichermaßen Spaß daran, auf die Plastikgitarre einzudreschen, erweitert das die Zielgruppe, so das Kalkül. Auch Electronic Arts, der weltweit zweitgrößte Anbieter von Videospielen, hat angekündigt, künftig stärker die „(Wieder-)Einsteiger“ bedienen zu wollen. Das Kalkül könnte aufgehen, denn die „Generation Gameboy“ ist mittlerweile erwachsen, die Begeisterung für Videospiele hat sie sich offenbar ins Alter gerettet. So liegt das durchschnittliche Alter der Spieler laut einer aktuellen Studie der Entertainment Software Association (ESA) mittlerweile bei 35 Jahren. Auch der deutsche Hightech-Verband Bitkom präsentierte jüngst eine Studie, nach der jeder zehnte Deutsche über fünfzig Jahren Videospiele nutzt.

Das schlägt sich in den Verkaufszahlen nieder, die Umsätze der Branche steigen konstant. Weltweit verdienten die Unternehmen 2007 durch Konsolenverkauf und Spiele rund 31,7 Mrd. Euro. 50,1 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Heuer soll der Umsatz laut Marktanalyst IDC wieder um 22,9 Prozent auf insgesamt 38,8 Mrd. Euro wachsen. Die Unternehmensberater PricewaterhouseCoopers errechneten gar, dass die Videospielindustrie 2008 zur umsatzstärksten Unterhaltungsbranche aufsteigen wird, noch vor der Film- und Musikindustrie.

Zugpferd Online-Games

Künftig sollen neben klassischen Konsolen- und Computerspielen Online- und mobile Anwendungen als drittes Standbein für zusätzlichen Aufschwung in der Branche sorgen. Auch im Internet ist das Durchschnittsalter der Spieler in den vergangenen Jahren konstant gestiegen. Vor allem Rätsel und Kartenspiele werden auch gerne von Älteren genutzt. Die Bitkom-Studie zeigt, dass jeder fünfte Spieler über fünfzig auch im Internet antritt.

Gut für die Industrie, denn fast jeder Zweite (45 Prozent) wäre bereit, für das Online-Angebot zu bezahlen. Das sind 184 Prozent mehr als noch in einer Vergleichsstudie aus dem Vorjahr. Zusätzlich zu möglichen Gebühren dürfen die Unternehmen auch mit steigenden Einnahmen aus dem Online-Advertising rechnen. Zwei von drei Spielern haben damit laut Bitkom kein Problem.

Quelle: http://www.diepresse.com

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