Kampf um die Marktführung für das Mobile Internet

 Der Datenverkehr in Mobilfunknetzen wächst weltweit kräftig an. In Europa dürfte der mobile Datenmarkt (ohne SMS) bis 2010 die Schwelle von 30 Milliarden Euro erreichen. Telekomdienstleister, Ausrüster und Internetunternehmen beginnen sich zu rüsten, um an den grossen Marktchancen der Zukunft teilhaben zu können.

Der mobile Breitbandinternetzugang hat grosses Wachstumspotenzial. Der Erfolg des Web 2.0 im Festnetz und der punkto Volumen rasant zunehmende Datenverkehr von Unternehmen beispielsweise, aber auch von sozialen Netzwerken, die regelmässig Texte, Bilder, Videos und Musik hin- und herschicken, sollten auch den Mobilfunknetzen einen Wachstumsschub verleihen.

Rasante Umsatzsteigerung des mobilen Datenverkehrs
Vor 2007 konnten weder die Mobilfunkbetreiber noch die etablierten Gerätehersteller dem Internet auf dem Handy richtig zum Durchbruch verhelfen. 2007 ist jedoch das Volumen der über Mobiltelefone übermittelten Internetdaten merklich gewachsen. Gemäss Schätzungen der Credit Suisse stiegen die Umsätze im mobilen Datenverkehr (ohne SMS) 2007 um 30 Prozent im Vorjahresvergleich. Allerdings machten sie beispielsweise beim Marktführer Vodafone immer noch nur knapp 6 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Die europäischen Telekomanbieter rechnen für die kommenden Jahre mit einem markant wachsenden Umsatzanteil des mobilen Datenverkehrs. Diesen Anteil am Gesamtumsatz will die Branche bis 2010 auf mindestens 20 Prozent steigern. Laut Konsensusprognose erwartet der Markt für den mobilen Datenverkehr einen jährlichen Umsatzzuwachs von 50 Prozent. Diese Entwicklung dürfte gemäss den Schätzungen der Credit Suisse auch die operativen Gewinnmargen beflügeln.

Anbieter gehen für den Erfolg Allianzen ein
Diese attraktiven Wachstumsperspektiven haben nicht nur Telekomdienstleister, sondern auch andere Firmen auf den Plan gerufen. Apple hat mit dem iPhone ein innovatives Produkt lanciert und damit auf das Potenzial des mobilen Internets aufmerksam gemacht. Apple beabsichtigt, den Erfolg der Downloadmaschine iTunes und des portablen Mediaplayers iPod auf das mobile Internet zu übertragen, und hat dazu Exklusivpartnerschaften mit führenden Telekomdienstleistern wie AT&T, T-Mobile und Telefónica 02 abgeschlossen. Die Konkurrenz reagierte mit der Gründung weiterer Allianzen, um gegen die Offensive von Apple anzutreten. Der Weltmarktführer Nokia hat als Antwort auf den Markteintritt von Apple das Webportal Ovi lanciert. Ovi (Finnisch: Tür) soll dem Handynutzer als Tür zum Internet dienen: Es bietet einen Musikdownloadshop, einen Navigationsdienst, die Spielplattform N-Gage und eine Plattform zur Bildung von Web Communities. Für seine „Tür zum Internet“ konnte Nokia z. B. Vodafone und Telefónica, die zusammen mehr als 350 Millionen Mobilfunkkunden betreuen, gewinnen.

Eine weitere Koalition, die Open Handset Alliance (OHA), wurde unter der Führung von Google gegründet. Der OHA haben sich 34 Mitgliedsgesellschaften angeschlossen, darunter grosse Telekom-, Halbleiter- und Softwareunternehmen sowie Handyhersteller wie China Mobile, Deutsche Telekom, Intel, Qualcomm, Texas Instruments, HTC, Motorola oder Samsung. Ziel dieser Allianz ist die Entwicklung von Android, einem Open-Source-Betriebssystem für Mobiltelefone. Es soll das Surfen im Netz erleichtern sowie die Entwicklung und Implementierung neuer Anwendungen beschleunigen und vereinfachen. Google will seine mit Android ausgerüsteten Mobiltelefone ab dem 2. Halbjahr 2008 auf den Markt bringen, Nokia plant die Lancierung seiner Ovi-Handys ebenfalls 2008. Microsoft ist mit seiner eigenen Handybetriebssoftware Windows Mobile schon seit einiger Zeit am Markt aktiv, wenn auch bislang mit beschränktem Erfolg.

Kampf um Marktanteile in entscheidender Phase
Der Kampf um die künftige Vorherrschaft im Mobilfunkmarkt ist in eine entscheidende Phase getreten. In den nächsten drei Jahren dürfte sich zeigen, welche Parteien wie viel vom wachsenden Kuchen des mobilen Internets bekommen. Die Interessen der Akteure sind sehr unterschiedlich. Gemeinsam ist ihnen das Bestreben, das Wachstum des mobilen Internets voranzutreiben und entsprechende Gewinne zu generieren. Bisher haben die Telekomdienstleister fast den gesamten Umsatz aus dem Datenverkehr eingestrichen. Das liegt vor allem daran, dass Internetdienste wie Vodafone Live, T-Mobile Web’n’Walk oder Orange World geschlossene, proprietäre Systeme sind. Mit dem iPhone hat Apple ein neues Geschäftsmodell für Handyhersteller eingeführt, das in dieses geschlossene System einzudringen versucht. Apple vergibt exklusive iPhone-Marketingrechte an Telekomanbieter, fordert aber im Gegenzug einen Anteil der Datenumsätze, die diese mit ihren Mobilfunkkunden erzielen. Dieses Arrangement zahlt sich offenbar für beide Parteien aus, da iPhone-Nutzer tatsächlich deutlich mehr Datenumsätze generieren als andere Handyuser. Nokia will dieses Geschäftsmodell mit Ovi kopieren und hat dank seiner Schlagkraft im Mobiltelefongeschäft, seines dominanten Betriebssystems Symbian und seines eingekauften Content (Nokia Navigation, Universal Music) wohl gute Chancen auf Erfolg.

Android soll den Markt aufmischen
Die grössten Ambitionen zur Durchdringung der Wertschöpfungskette der Telekomdienstleister und Ausrüster hat aber Google: Mit seinem Betriebssystem Android, einer Open-Source-Plattform, könnte das Unternehmen das bisher geschlossene, proprietäre System komplett aufbrechen und damit die Eintrittsbarriere für Content- oder Serviceprovider deutlich senken. Teure Vertragsverhandlungen mit den Netzbetreibern über die Umsatzverteilung könnten gänzlich entfallen. Die Telekomdienstleister würden damit Gefahr laufen, von der erwarteten Wertschöpfung mit mobilen Internetdatendiensten abgekoppelt zu werden. Ihre Möglichkeiten, den durchschnittlichen Umsatz pro User mit dem Verkauf von Inhalten wie Video- oder Musikdownloads zu steigern, würden eingeschränkt. Mit Android bekommen aber auch die etablierten Betriebssysteme Symbian von Nokia und Windows Mobile von Microsoft Konkurrenz. Da Android kostenlos angeboten werden wird, könnten zweitrangige Handyhersteller oder gar Neueinsteiger dem Marktführer Nokia künftig stärker entgegentreten. Der späte Einstieg in den Mobilfunkmarkt ist für Google offenbar ein Nachteil. Ein Vorteil ist dagegen die offene Plattform selbst, die eine viel schnellere Einführung innovativer, kreativer Dienste und Produkte ermöglicht.

Lukrative Perspektiven
Sollte der Durchbruch des mobilen Internets in den nächsten drei Jahren gelingen, so ist der Markt unseres Erachtens zunächst gross genug für alle. Mit drei Milliarden Usern weltweit sind Mobiltelefone fast doppelt so weit verbreitet wie Home-Internet-PCs. Damit hat der mobile Internetmarkt lukrative Perspektiven. Wer in der mobilen Datenkommunikation die Marktführer sein werden, ist aber noch offen.

Quelle: http://emagazine.credit-suisse.com

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