Stimme für mobile Suche

Rund drei Viertel des Verkehrs im mobilen Web sollen von den 15 bis 20 Millionen iPhones und WiFi-fähigen iPods kommen, schätzen Experten. Und wenn jetzt die mobile Suche auch auf rein sprachliche Anfragen reagiert, wird der Anteil sicherlich noch größer: Das Handy etabliert sich wirklicher Ansprechpartner

Es sind die Kleinigkeiten, die das Leben einfacher machen. Zum Beispiel, wenn jetzt in der kalten Jahreszeit die Handschuhe nicht mehr ausgezogen werden müssen, um einen Suchbegriff ins Handy einzugeben. Stattdessen rufe ich demnächst einfach: „Wo ist der nächste Starbucks?“ Und, Tischlein deck’ dich, das iPhone (das ich hoffentlich jetzt endlich zu Weihnachten bekomme) zeigt mir den Weg. Eine neue Version von Google Mobile soll noch in dieser Woche als kostenloser Download im iTunes Store erhältlich sein und auf einfach ausgesprochene Suchanfragen mit Ergebnissen in Textform reagieren.

Pionier ist Google damit zwar nicht: Microsoft hat Spracherkennung schon seit Oktober 2007 im Windows Mobile Programm, Yahoo ist mit OneSearch seit April stimmlich mobil. Aber Google ist eben auch in diesem Markt führend. Wie berichtet wird, betonte Sergey Brin während einer Konferenz im Juli, dass über iPhones und verwandte Geräte 30mal mehr Suchen ausgeführt werden als über konventionelle Handys… und das verspricht Umsätze.

Wenn also die mobile Suche in der Außenwelt jetzt ohne lästiges Schreiben möglich ist, fehlt eigentlich nur noch eins: Einfache Auskunft über die Innenwelt. Wie fühle ich mich eigentlich heute? Oder wie war mein Befinden gestern? Darüber kann mir mein Handy in der Regel keine Auskunft geben, obwohl ich es doch ständig bei mir trage. Aber keine Sorge, schon lange vor mir sind innovative Menschen auf die Idee gekommen, dass sich mit einem Mobiltelefon auch ein „affektives Tagebuch“ führen lassen könnte.

Im Mobile Life Center der Stockholmer Universität in Kista hat sich eine Gruppe von Forschern ein kleines interessantes Pilotprojekt ausgedacht: Wenn Sie ein so genanntes „affective diary“ führen wollen, nehmen Sie im Laufe Ihres gewöhnlichen täglichen Lebens hin und wieder Fotos auf und senden Textnachrichten, die für Sie gespeichert werden. Aber darüber hinaus werden noch mehr Informationen über Sie aufgenommen: Bio-Sensoren fühlen Ihren Puls und messen Ihren Hautwiderstand, prüfen Ihren Blutdruck und registrieren Ihre Gehgeschwindigkeit, Körperhaltung und -bewegungen. Die Summe all’ dieser Informationen wird Ihnen auf dem Bildschirm in einer abstrakten Form zusammengefasst angezeigt: Wenn Sie sehr aufgeregt sind, steht die kleine „Figur“ aufrecht und ist natürlich rot. Sind Sie entspannt, ist Ihr kleines mobiles Alter Ego blau, eher liegend und scheint ein bisschen schläfrig.

Auf den ersten Blick beeindruckend, aber letztlich überzeugt es doch nicht wirklich, dieses affektive Tagebuch. Wenn die Sensoren steigende Werte registrieren, Sie ein Foto Ihres Gesprächspartners aufnehmen und dann eine Nachricht absenden, dauert das doch viel zu lange. Schneller ginge es einfach ins Handy zu brüllen: „Ich bin sehr wütend“ – und dann als Ergebnisliste Hinweise auf die nächstgelegenen Bars, Psychotherapeuten, Box-Studios oder ähnliches zu erhalten. Google weiß doch sicher ohne Tagebuch, was Sie dann brauchen.

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