WiMAX wird 103 Million Nutzer haben, aber…

Das weltweit tätigte Beratungsunternehmen Informa Telecoms sagt voraus, daß WiMax im Jahre 2013 etwa 103 Millionen Kunden haben wird, aber …

 

… HSPA wird mehr als 1 Milliarde haben.

HSPA ist der neue Oberbegriff für schnelles UMTS, also HSDPA und HSUPA.

Für alle, die sich in diesem Abkürzungswahn nicht auskennen, kurz einige Erläuterungen:

Nach GSM (globaler Standard für Mobile Kommunikation), in Deutschland als “D-” oder “E-Netz” bekannt, wird UMTS (Universales System für mobile Telekommunikation) gerne als 3. Generation bezeichnet. HSDPA ist der UMTS-Datenturbo für den Download und HSUPA für den Upload. Nach UMTS wird die 4. Generation unter dem Namen LTE (Long Term Evolution) an den Start gehen, vielversprechende Versuche laufen bereits.

WiMAX steht für “Worldwide Interoperability for Microwave Access” und ist stark laienhaft gesagt, eine Weiterentwicklung von W-LAN, nur wesentlich schneller und leistungsfähiger. Ziel von W-LAN und WiMAX ist, beispielsweise Laptops im Büro oder im Cafe oder im Park drahtlos ans Internet anzubinden. Anfangs wurde von Reichweiten bis zu 70 km geträumt (was funktechnisch absoluter Nonsens ist) und bei W-LAN denken die meisten Nutzer nach wie vor an “kostenloses Internet jederzeit und überall”.

Doch der Traum vom kostenlosen Internet für alle und überall ist ausgeträumt. Ein “offenes W-LAN” gilt für viele Gerichte heute als gleichbedeutend mit der Einladung zum Gesetzesbruch, weil ja permanent böse Menschen vor der Tür herumlungern, die nichts anderes tun, als permanent aus Tauschbörsen irgendwelches verbotenes Material herunterzuladen.

Ob “WiMAX” wirklich fliegen wird, da streiten sich die Gelehrten. In den USA sucht der bekannte Netzbetreiber Sprint Nextel sein Heil in WiMAX, auch Google wird ein gewisses Interesse an einem “eigenen Netz” (mit WiMax?) nachgesagt und irgendwann sollte es auch einmal WiMAX-Notebooks geben.

In den “emerging markets”, also den Ländern, wo das (Mobile) Internet gerade erst loslegt, also in Afrika oder Teilen von Asien scheint WiMAX abzuheben, haben die Wahrsager und Glaskugelleser bei Informa Telecoms herausbekommen. Geräte und Frequenzen sind da, der Markt hungert nach Bandbreite und die Geräte sind supergünstig. Da sagt Informa einen Anteil von einem Viertel des indischen Breitband-Marktes für WiMAX im Jahre 2013 voraus, derzeit sind es gerade einmal 7%.

Doch Informa warnt vor jeder Euphorie. HSPA wurde ein absoluter Selbstläufer in vielen Märkten weltweit und der nachfolgende 4G-Standard LTE gibt schon langsam Gas und wird von den weltgrößten Netzbetreibern inklusive T-Mobile, Vodafone und China-Mobile unterstützt.

Wenn da die WiMAX Apostel nicht ganz schnell ihre Marktstrategie überdenken, könnte es das schon gewesen sein. Einer der WiMAX-Pioniere, die Koreanische Telekom bietet seit letztem Jahr auch HSPA an und sieht, wie die HSPA-Kunden zahlenmäßig an ihren Kollegen mit WiMax vorbeibrowsen.

Neue Netzbetreiber, die ein wenig Leben in den Markt bringen könnten, trauen sich nicht oder bekommen kein Geld und die altbewährten Anbieter sind über die Weiterentwicklung von GSM zu UMTS automatisch bei HSPA gelandet, warum sollten sie da noch wechseln?

Auch in Deutschland hat man außer einer Lizenzvergabe mit WiMAX nicht mehr viel von lokalen Netzen gehört. Mittelständische Anbieter, die sich mit WiMAX oder W-LAN Technik ans Werk machen wollen, lernen verdammt schnell, wie unglaublich “empfindlich” die Funkverbindungen bei 2 oder 3 GHz werden können, ein Ast oder ein Blatt eines Baumes in der Funkstrecke und schon geht nichts mehr.

Kein Wunder, daß die Mobilfunker seit einiger Zeit lautstark die “digitale Dividende” sprich ehemalige TV-Frequenzen für mobiles Internet reklamieren. Die Schweiz hat der Swisscom kürzlich diese Frequenzen zwischen 790 und 860 MHz (Also unterhalb vom D-Netz) zugesprochen, da möchten die Netzbetreiber in anderen Ländern natürlich jetzt auch dabei sein.

Vodafone steht möglicherweise vor dem Mega-Deal des Jahres, wenn es ihnen tatsächlich gelingen sollte, sich das Kabel-TV und Internet/Telefonie-Netz via Koaxkabel-Netz von KDG (Kabel-Deutschland) einzuverleiben.

Zwar werden die Kartellwächter und vor allen Dingen die Landesmedienanstalten große viereckige Augen bekommen, weil man diese Märkte gerne auseinander gehalten hätte, der nächste Schritt wäre, daß die Mobilfunker auch versuchen, die Programme selbst zu produzieren. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

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