Mobile Business: Experimentierfeld mobile Geschäfte

Neue Geschäftsmodelle für Handy & PDA ringen um Akzeptanz und Verbreitung. Es fehlen bisher einheitliche Standards, auch die Sicherheitsbedenken vieler Kunden sind groß.

Das Handy als Marketing- und Vertriebsinstrument scheint auf den ersten Blick nur Vorteile zu haben: Es ist meistens eingeschaltet, immer mit dabei und eindeutig einer Person zugeordnet. Auf jeden Österreicher kommt zudem statistisch mindestens eine aktivierte SIM-Karte.

Dennoch ist der große Durchbruch der mobilen Geschäfte bisher ausgeblieben: „Mobile Business ist zum Teil überschätzt worden. Wirkliche ,Killerapplikationen‘ gibt es bisher nicht, aber durchaus Anwendungen mit Erfolgsaussichten. Grundsätzlich sollte man sich auf Nischengeschäfte konzentrieren, etwa den Parkschein per Handy in Wien“, meint Robert Comatz, Bereichsleiter bei PayLife. Beliebt ist auch die mobile Eintrittskarte. „Bei Veranstaltungen setzt man immer häufiger auf das Medium Handy, um die Bestellung und die Bezahlung ohne Medienbruch durchzuführen“, erklärt Roland Toch, Geschäftsführer von Qenta.

Hoffnung „Mobile Payment“

Die Hoffnung der Branche liegt in den mobilen Zahlungslösungen. Durch einfachen Geldtransfer soll Mobile Business für Kunden attraktiver werden. Bisher fehlt es aber noch an einheitlichen Standards. „Ein einheitlicher Standard für Mobile Payment ist aufgrund der unterschiedlichen Entwicklung der etablierten Zahlungsmethoden nicht möglich“, erklärt Toch. Ähnlich sieht es Comatz: „Leider gibt es derzeit für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Mobilfunkbetreibern, Kreditkartengesellschaften und Banken noch kein Patentrezept. Bei mobilen Zahlungslösungen sollte man daher auf bereits ,Gelerntes‘, wie Kreditkartenzahlungen setzen. Damit schafft man eine große Hemmschwelle aus der Welt, da man sich nicht für ein neues Zahlungsmittel anmelden muss.“

Eine weitere Zukunftshoffnung des mobilen Bezahlens liegt in der kontaktlosen Datenübertragung im Umkreis von fünf bis zehn Zentimetern eines Handys. Dazu werden Mobiltelefone mit zusätzlichen „Near Field Communication“-Chips (NFC) ausgestattet. Die Geräte müssen zum Bezahlen nur noch in die Nähe einer entsprechenden NFC-Kassa gehalten werden.

Sicherheitsängste

Neue Zahlungslösungen brauchen oft Jahre, um sich zu etablieren und stoßen häufig auf großes Misstrauen. Deshalb müssen Anbieter vor allem auf die Sicherheit im Mobile Business achten. „Neben Geld und Schlüssel hat es kein Alltagsgegenstand geschafft, so tief in das Leben, ja sogar in die Intimsphäre der Konsumenten einzudringen, wie das Mobiltelefon“, beschreibt Alexander Oswald, Marketingleiter Nokia Alps Adriatic, den Stellenwert von Handys. Der grundsätzliche Sicherheitsmechanismus beim mobilen Bezahlen ist simpel: „Kunden erhalten nach der Bestellung eine SMS. Erst wenn sie darauf antworten, wird die Zahlung durchgeführt“, erklärt Toch. Viele Kunden bleiben gegenüber neuen Zahlungsmitteln dennoch skeptisch: Schon die Angebote im Internethandel haben aufgrund von Sicherheitsbedenken große Probleme bei der Durchsetzung. Offenbar nicht ganz zu Unrecht. Erst kürzlich haben Versuche von Studenten der Fachhochschule Johanneum Graz gezeigt, dass man über eine alternative Registrierungsmethode ohne größeren Aufwand den fremden Sicherheitscode für einen Onlinezahlungsdienst ermitteln kann. Nach Bekanntwerden dieses Bugs hat der Betreiber die unsichere Variante der Registrierung sofort eingestellt.

Begehrtes Werbemedium

Da die Smartphones unter den Handys jedoch zunehmend auch über einen direkten Draht zum Internet verfügen, gibt es ein weiteres Sicherheitsproblem: Gerade große Handyplattformen wie Windows Mobile, Nokias Symbian und auch das iPhone-Betriebssystem werden für Hacker und Virenschreiber immer interessanter. Derzeit ist die Zahl der Angriffe allerdings noch niedrig. G Data Security Labs – ein Anbieter von Sicherheitssoftware – verzeichnete heuer insgesamt 96 Smartphone-Schädlinge, denen man nur mit einer entsprechenden Sicherheitssoftware auf die Schliche kommt.

Mindestens ebenso sensibel muss mit einem weiteren aufstrebenden Geschäftsfeld des Mobile Business umgegangen werden: Mobile Advertising. Der Grat zwischen informierender Werbung und lästigem „Spam“ ist nämlich im Empfinden der meisten Handybesitzer äußerst schmal. „Mobile Advertising steckt noch in den Kinderschuhen. Derzeit werden diverse Möglichkeiten ausprobiert. Neben dem reinen Antworten per SMS oder Anruf kann der Konsument zum Beispiel eigene Fotos oder Videos versenden und Nachrichten an andere weiterleiten und vieles mehr“, erklärt Oswald. Dass Handys immer einer Person eindeutig zugeordnet werden können, macht sie für Werbung naturgemäß besonders interessant. Aber auch die Verbindung mit mobilen Zahlungslösungen und NFC machen Mobiltelefone zu begehrten Marketinginstrumenten.

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