Schon vergessen? 10 Jahre WAP – Vorläufer des Mobilen Internets

Vor etwa 10 Jahren kamen die ersten Handys auf den Markt, die einen Vorgeschmack auf das “mobile Internet” geben sollten. Einige davon waren tatsächlich in der Lage, speziell dafür programmierte WML-Internetseiten mit Hilfe des „Wireless Application Protocol“ auf dem Handy-Display darzustellen.

 

Das erste WAP Handy, das nur einem winzig kleinen Tester-Kreis von T-Mobile gezeigt wurde, stammte von Sagem und unterstütze ein Vorserien-Protokoll von WAP.

Das erste in Stückzahlen nach langer Wartezeit lieferbarer WAP-Modell war das Nokia 7110. Besondere Kennzeichen: Großes schwarz/weiß-Display und eine Klappe, die zum Schutz über die Tastatur geschoben werden konnte. Auf der Rückseite befand sich ein Auslöser, welcher die Tastatur auf einen “Rutsch” freigab. Schon das Nokia 8110 hatte so eine Schutzklappe besessen, aber ohne Revolvermechanismus. Der blieb wenigen Einzelstücken im Kinofilm „Matrix“ vorbehalten. Bei den Kunden war so etwas Kult.

Um 2002 folgten die ersten Geräte mit farbigen Displays, wie zum Beispiel das Ericsson T68. Mit einer Ansteckkamera konnte man mit diesem Handy schon Fotos machen und als MMS versenden. Eine Ansteckkamera war auch für den Nokia Communicator 9110 vorgesehen, für seine Zeit und lange danach revolutionär. e-mail, Internet und WAP und kleine schwarz/weiß Fotos im internen Telefonbuch, die bei aufgeklapptem Schwarz/Weiß Display anzeigten, wer da anrief.

Internet und WAP-Verbindungen über CSD (geschaltete Verbindung die nach Zeit abgerechnet wurde und während der kein Telefonat/Anruf möglich war) waren eine langsame und zähe Geschichte. Bei 9.600 bps war Schluß, mit ein paar Tricks konnte man das auch auf 14.400 und mehr (HSCSD) steigern.

Alle Netzbetreiber bauten sich eigene WAP-Portale, um die Nutzer dort mit eigenem oder zugekauften Inhalten bei Laune und vor allen zahlungsfreudig zu halten.

2003 präsentierte Vodafone das Sharp GX10 mit integrierter Kamera und dem direkten Zugriff auf das Vodafone live!-Portal. Das arbeitete bereits mit besserer Daten-Technik namens GPRS, dem „General Paket Radio Service“, dieser erreicht mit 57,6 kilobit pro Sekunde eine Übertragungsrate mit der es erstmalig möglich war, in endlicher Zeit Bilder oder Töne mobil zu übertragen. Das GX10 war eine Art Durchbruch. Ich habe meins heute noch. Das fühlt sich gut an, ist einfach zu bedienen und erlaubt sogar sich über den Vodafone e-mail Dienst einen groben Überblick über empfangene e-mails zu verschaffen.

2004 startete das mobile Internet mit UMTS zum Sprung auf die Überholspur. Jetzt war es möglich mit 384 kilobit pro Sekunde Daten mobil zu übertragen. Eines der ersten UMTS-Handys in Deutschland war das Nokia 6650, das aber offiziell nie in den Handel kam. Pionierkunden von T-Mobile durften damit UMTS ausprobieren. Das erste Nokia Seriengerät hieß 7600 und sah wie eine abgerundete “Ritter Sport” Schokolade aus, Vodafone präsentierte das Samsung Z100. Mit ihm konnte man erstmals Handy-TV auf dem Display verfolgen und Musikstücke und Klingeltöne schnell herunterladen.

Heute gilt ein Smartphone wie das HTC Magic als aktueller Stand der Technik. Vergleicht man es heute mit einem WAP-Handy von einst, lassen sich schon äußerlich 10 Jahre technische Weiterentwicklung erkennen.

Moderne Smartphones besitzen in der Regel eine Kamera für Fotografie und Video und verfügen über wohlklingende Endstufen, um den separaten MP3-Player zu ersetzen. Mittels Satelliten-Navigation (GPS) kann man sich an fast jedem Ort der Welt schnell orientieren und mit etwas Glück den Weg zum Ziel finden.

Hohe Übertragungsbandbreiten von bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde sorgen bei freiem Kanal für schnellen, mobilen Zugriff auf das Web. Was dabei heruntergeladen oder übertragen wird, spielt (fast) keine Rolle. Nur Telefonie übers Internet mögen die Mobilfunker noch nicht so arg, aber auch da beginnt ein Umdenkungsprozess. 7,2 MBit sind längst nicht das Ende. Versuche mit 14,4 oder 28,8 MBit mit HSPA+ Technik laufen bereits, der deutsche UMTS-Pionier Vodafone stieß nach eigenen Aussagen als erster in diese Regionen vor, o2 experimentiert in München mit 28,8 MBit und nach Ansicht von Vodafone Technik Chef Hartmut Gremling sollten auch 50 MBit/s technisch realisierbar sein. Bei T-Mobile setzt man bereits auf die nächste Generation mit Namen “LTE”, die heute schon um die 50 MBit beherrscht und später 150-300 MBit erlaubte könnte. Der Netzbetreiber E-Plus ist dahingegen um Lichtjahre zurück. EGDE ist gerade im Aufbau, mit HSDPA wird im Raum Leipzig vorsichtig experimentiert. “Unsere Kunden wollen überwiegend telefonieren und SMSen”, dabei hatte E-Plus durch günstige Datentarife den Markt überhaupt erst richtig “geöffnet” !

Mbiles Internet an sich ist ein Selbstläufer, weil jeder, der sich mit Internet beschäftigen will oder muß sofort versteht, welche Vorteile ein mobiler “drahtloser” Zugang bietet. Seitdem die Preise und Tarife bezahlbare Regionen erreicht haben, hat das längst dazu geführt, daß hier und da die Netze gut gefüllt oder schon längst überlastet sind. Leider gibts keine Faustformel, welches Netz hier am “anfälligsten” für Überlastung ist. Auch die “teuren” Netze laufen längst nicht mehr so rund, wie man das eigentlich erwarten sollte. Profis setzen längst auf mehrere Karten in verschiedenen Netzen.

10 Jahre mobiles Internet – kein Grund zum Feiern – eher ein Grund, die Netze zügig weiter auszubauen. Denn frustrierte Kunden sind schlechte Kunden und mit denen läßt sich auf Dauer kein Geld verdienen.

Quelle: http://blog.xonio.com/schon-vergessen-10-jahre-wap-vorlaeufer-des-mobilen-internets-20090605/

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